Herbstzeit ist Pflanzenschutzzeit

Gefühlt ist die Ernte gerade erst abgeschlossen, auf manchen Feldern stehen noch die letzten Stoppeln und doch sieht man schon wieder Pflanzenschutzspritzen auf den Feldern. Das Ausbringen chemischer Pflanzenschutzmittel im Herbst hat allerdings ganz einfache Gründe: Die ersten Winterungen sind bereits ausgesät und die jungen Pflanzen sind vor allem im Anfangsstadium sehr empfindlich. Mit Pflanzenschutz wird die Konkurrenz durch Unkräuter gemindert, um den Kulturpflanzen noch vor dem Winter einen Wachstumsvorsprung zu verschaffen. Außerdem werden die jungen Pflanzen vor Schädlingen und Krankheitserregern geschützt.

Schadinsekten im Raps: So klein und doch so schädlich

Neben Wintergetreide ist Raps die wichtigste Winterkultur. Doch kaum ist der Raps in der Erde müssen die ersten Vorkehrungen für sein Überleben getroffen werden. Denn mit dem Auflaufen der Pflanzen werden auch die ersten Schädlinge wie Rapserdflöhe und Kohltriebrüssler aktiv. Um den Zuflug der Schädlinge und das Erreichen einer kritischen Schadschwelle besser kontrollieren zu können, werden schon direkt nach der Aussaat sogenannte Gelbschalen aufgestellt. Mit ihrer gelben Farbe locken sie die Insekten an und helfen dabei, das Ausmaß des Befalls zu messen.

Der drei bis viereinhalb Millimeter lange, blauschwarz glänzende Rapserdfloh mag die warmen und sonnigen Herbsttage. Er kann die Pflanzen bis Ende Oktober befallen. Die kleinen Käfer fressen dabei kleine, runde Löcher in die Blätter – dies kann der Raps aber in der Regel gut kompensieren. Größere Schäden richten die knapp sieben Millimeter großen und sechsbeinigen Larven an. Sie fressen Gänge durch die Rapsstängel, die dann bei Frost aufplatzen und abfrieren können. Wenn sich die Larven zu weit vorfressen, können Totalausfälle der Ernte drohen.

Bereits im Frühherbst befällt der Rapserdfloh die jungen Rapspflanzen.

Ein weiterer häufig vorkommender Schädling ist der Schwarze Kohltriebrüssler mit seinen roten Füßen und hellen Schuppen an der Unterseite. Dieser Käfer befällt die Rapsfelder ab Mitte September. Er ist zwar kleiner als der Rapserdfloh, aber dafür umso schädlicher. Nachdem der Schwarze Kohltriebrüssler seine Eier auf der Pflanze abgelegt hat, bohren sich die beinlosen Larven in den Stängel der jungen Rapspflanze. Sollten die Pflanzen den Winter und Frost überstehen, verkümmern sie meist im Frühjahr, da der Haupttrieb vollständig abstirbt. Hinzu kommen Sekundarinfektionen durch Pilzkrankheiten, denen die geschwächten Pflanzen wenig entgegensetzen können.

Um einen Befall zu vermeiden und die verbliebenen Larven in den Stoppeln zu bekämpfen, wird unter anderem auf gute Feldhygiene nach der Rapsernte geachtet. Bei akutem Befall hilft nur der Einsatz eines Insektizids. Die Stärke des Befalls wird über die Gelbschalen und das Schadbild im Bestand, also die bereits sichtbaren Schäden, erfasst. Wichtig ist dabei eine Bekämpfung noch vor der Eiablage.

Gerade einmal 2 - 3,5 mm wird der Schwarze Kohltriebrüssler lang – doch insbesondere seine Larven richten erheblichen Schaden im Raps an.

Phoma: Die Rapskrankheit

Neben den direkten Schäden durch Insekten stellt auch eine Phoma-Infektion ein erhebliches Risiko für die Rapsbestände dar. Die Pilzkrankheit wird auch Wurzelhals- und Stängelfäule genannt und kann zu erheblichen Ertragsverlusten führen. Erste Symptome lassen sich bereits im Herbst anhand von gelb-braunen Flecken mit grauem Zentrum auf den Blättern erkennen. Gelangen die Sporen des Pilzes in die Blattadern, sieht man schon bald braune Flecken am Wurzelhals und Stängelgrund und die Pflanze stirbt schließlich ab. Die Schäden, die der Rapserdfloh und Kohltriebrüssler an den Pflanzen verursachen, begünstigen das Eindringen der Sporen in die Pflanze. Die Bekämpfung dieser Schädlinge ist also gleichzeitig eine wichtige Maßnahme gegen das Auftreten einer Pilzinfektion.

Eine nachträgliche Fungizid-Behandlung ist zwar möglich, allerdings nicht immer erfolgreich. Umso wichtiger sind auch vorbeugende ackerbauliche Maßnahmen. Dazu zählen etwa eine abwechslungsreiche Fruchtfolge sowie die Feldhygiene auf nahegelegenen Altrapsschlägen, um eine Übertragung auf die neu angelegte Kultur zu verhindern. Außerdem ist es wichtig, geprüftes, pilzfreies Saatgut zu verwenden und bei der Sortenwahl auf resistente Sorten zu setzen.

Blattläuse als Virenüberträger im Getreide

Auch das junge Wintergetreide ist anfällig für Schaderreger. So kommt es im Herbst häufig zur Übertragung von Pflanzenviren. Unter anderem sind Blattläuse dafür verantwortlich. Bedeutende Viren sind das Gelbverzwergungsvirus und das Gelbmosaikvirus. Einmal auf die Pflanzen übertragen, lassen sie sich nicht mehr bekämpfen. Um eine Ausbreitung zu verhindern, ist also nur die Bekämpfung der Läuse möglich, da diese die Viren übertragen.

Der Befall mit dem Verzwergungsvirus zeigt sich oft nesterförmig. Häufig sind schon im Herbst erste Symptome sichtbar: Die Blätter färben sich gelb und das Wachstum der Pflanzen wird gehemmt. Schließlich bleiben Längenwachstum und Ährenbildung im Frühjahr aus. Die Folgen des Gelbmosaikvirus sind ähnlich, zeigen sich aber häufig erst im Frühjahr.

Vom Verzwergungsvirus befallene Gerste.

Ungerne gesehen – Ungräser und Unkräuter

Bestimmte Unkräuter und Ungräser aus dem Bestand zu entfernen, ist häufig gar nicht so einfach. Ackerfuchsschwanz und Windhalm vermehren sich stark und stellen schnell eine echte Konkurrenz für die jungen Kulturpflanzen dar. Die Ungras-Samen keimen bereits im Herbst fast vollständig aus. Wartet man bis zum Frühjahr, haben die Gräser jede Menge Zeit, sich zu etablieren und zu festigen. Gerade deshalb ist die frühzeitige Behandlung bereits im Herbst sinnvoll. Nur so können sich die Getreidebestände vor dem Winter ausreichend entwickeln.

Zudem können im Herbst zur Bekämpfung noch sogenannte Bodenherbizide eingesetzt werden. Sie wirken sehr zuverlässig gegen die jungen Gräser, sobald diese die Pflanzenschutzmittel beim Aufkeimen über ihre Wurzeln aufgenommen haben. Im Frühjahr stehen dann in der Regel nur noch sogenannte Blattherbizide zur Verfügung.  Diese erhöhen jedoch das Risiko von Resistenzen, was die Ausbreitung der Gräser noch weiter begünstigen könnte. Die Herbstbehandlung spart aber auch Wirkstoffe ein, da man die noch jungen Ungräser einfacher kontrollieren kann.

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„Pflanzenschützer des Jahres 2022“ gesucht: Jetzt bewerben!

Was genau versteht man eigentlich unter Pflanzenschutz? Welche Bausteine des Pflanzenschutzes gibt es und warum sind sie so wichtig? Die Teilnehmenden der Mitmach-Aktion „Schau ins Feld!“ liefern Antworten auf diese und weitere Fragen. Mithilfe der angelegten Nullparzellen versuchen sie, Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen und darüber mit Verbraucherinnen und Verbrauchern ins Gespräch zu kommen.  

Teilnehmende zeigen, was auf dem Feld passiert

Über 950 Landwirtinnen und Landwirte waren in diesem Jahr deutschlandweit bei „Schau ins Feld!“ dabei. Sie haben sichtbar gemacht, was sie im Laufe der Saison auf dem Acker machen, um ihre Ernte zu sichern: sowohl im persönlichen Gespräch am Feldrand als auch über die sozialen Medien. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben zahlreiche Fotos von ihrer Teilnahme an der Aktion „Schau ins Feld!“ für die Kanäle der Pflanzenschützer aufgenommen oder selbst verbreitet. Einige haben zudem in unserem neuen Format „Direkt vom Feld“ detaillierte Einblicke in die Facetten ihres Berufs gewährt – zum Beispiel zum Einsatz von Biostimulanzien oder digitalen Anbausystemen.

Jetzt bewerben

Auch in diesem Jahr sollen besonders aktive Landwirtinnen und Landwirte wieder für ihr Engagement als „Pflanzenschützer des Jahres“ ausgezeichnet werden. Alle Teilnehmenden an der Aktion sind dazu eingeladen, sich über das unten verlinkte Formular dafür zu bewerben. Die Sieger laden wir zu einem Besuch auf die Internationale Grüne Woche 2023 nach Berlin ein (inkl. Messeticket, Kostenübernahme für die An- und Abreise sowie Unterkunft).

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Was ist dran am Vorwurf Monokultur?

„Mich stören ja die vielen Monokulturen, die man heutzutage überall sieht“. Solche Sätze hören Landwirtinnen und Landwirte nicht selten. Allerdings wird Monokultur oft mit Reinkultur verwechselt. Und eine Monokultur gilt es im Sinne der „guten fachlichen Praxis“ sowie einer wohl überlegten und standortangepassten Fruchtfolgeplanung ohnehin zu vermeiden.

Was ist eigentlich mit dem Begriff Monokultur gemeint?

Mit Monokultur meinen Verbraucherinnen und Verbraucher oft besonders große Felder auf denen nur eine einzige Kulturart wächst. Landwirtinnen und Landwirte würden dabei eher von einer Reinkultur sprechen. Denn der Begriff Monokultur beschreibt den wiederholten Anbau der gleichen Pflanzenart auf derselben Fläche – und das über mehrere Jahre hintereinander. In einigen mehrjährigen Kulturen wie dem Obst- oder Weinbau kommt es unweigerlich dazu, dass sich Bäume und Rebstöcke nicht einfach versetzen lassen. Im Ackerbau steht der mehrjährige Anbau einer Kultur jedoch im Kontrast zu dem, was Landwirtinnen und Landwirte bei der Anbauplanung berücksichtigen: Es wird nämlich im Gegenteil darauf geachtet, dass sich die Art der Frucht möglichst oft abwechselt und der Zeitraum, bis eine bestimmte Kultur wieder angebaut wird, möglichst groß ist. Das bezeichnet man als Fruchtfolgeplanung.

Schädlinge und Krankheiten machen es sich bequem

Dass Monokulturen im verantwortungsvollen Ackerbau vermieden werden, hat gute Gründe. Denn eine Monokultur bringt einige Nachteile mit sich. Wenn eine Pflanze jedes Jahr auf der gleichen Fläche wächst, dann finden Schädlinge nach dem Überwintern auch jedes Jahr die gleichen Wirte, auf die sie spezialisiert sind. Das gilt ebenfalls für Pilze, Viren oder Schadbakterien. Die Fruchtfolge ist in diesem Sinne praktizierter Pflanzenschutz. Damit die Fruchtfolge aber funktioniert, dürfen die Pflanzen nicht zu nah miteinander verwandt sein. Zum Beispiel wird die Kohlhernie von einem Schleimpilz ausgelöst, der sich nicht nur an der Rapswurzel wohlfühlt, sondern auch an der Wurzel des nahverwandten Senfs, vom Weißkohl oder dem Radieschen. Alle vier gehören nämlich zur Gattung der Kohlgewächse (Brassica). Ein weiterer bedeutender Nachteil von Monokulturen ist der Nährstoffverbrauch. Pflanzt man beispielsweise nacheinander immer wieder die gleiche Kulturart an, die viele Nährstoffe benötigt, dann wird der Boden über die Zeit ausgelaugt ­­– auf lange Sicht können die Erträge leiden und es wird ein großer Düngeaufwand notwendig. Außerdem haben es Schädlinge und Krankheiten bei ohnehin geschwächten Pflanzen leichter, sich zu verbreiten. Auch Unkräuter profitieren von ausgelaugten Böden und sorgen für zusätzlichen Arbeitsaufwand, der vermeidbar wäre.

Die Fruchtfolgeplanung sorgt für Abwechslung auf dem Acker

Um diese Nachteile zu vermeiden, kommt eine gut durchdachte und an den jeweiligen Standort angepasste Fruchtfolgeplanung ins Spiel. Eine typische Fruchtfolge zieht sich über vier bis sechs Jahre. Die Dauer der Fruchtfolge hängt dabei vor allem von der Mindestpause zwischen dem Wiederanbau der krankheits- und schädlingsanfälligsten Kultur ab. Beim Weizen muss zum Beispiel nur zwei bis drei Jahre gewartet werden, bis dieser erneut angebaut werden kann. Der Wiederanbau der Erbse kann hingegen schon mal bis zu zehn Jahre pausiert werden.

Die Fruchtfolge kann für positive Effekte auf die einander folgenden Pflanzen sorgen. Eine Leguminose wie der Klee oder die Erbse ist zum Beispiel in der Lage, Stickstoff im Boden einzulagern. Dieser dient dann der folgenden Kultur, wie etwa dem Weizen, als wichtiger Nährstoff. Auch wenn Fruchtfolgen mit mehr Planungsaufwand und einem größeren Einsatz unterschiedlicher Maschinen und Materialien verbunden sind, lohnen sie sich langfristig für die Landwirtschaft. Insbesondere hierzulande bewirtschaften Landwirtinnen und Landwirte ihre Flächen oft in langer Familientradition und achten daher sehr auf die Schonung ihrer Böden. Fruchtbare Flächen sind schließlich ein knappes Gut.

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Infoveranstaltung zu Pflanzenschutz im Mais

Bereits seit einigen Jahren schaffen Landwirtin Mareike Heckel und Landwirt Christoph Brühl mit dem Maislabyrinth in Rüdesheim am Rhein ein beliebtes regionales Ausflugsziel für Groß und Klein. Auf rund 70.000 Quadratmetern können die Gäste auch vieles rund um den Maisanbau oder etwa zu den Bausteinen des Pflanzenschutzes im Mais erfahren.

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Im Eingangsbereich gibt es Essen und Getränke, Sitzmöglichkeiten und einen kleinen Spielplatz für die jüngeren Gäste. An einigen Wochenenden im August und September finden außerdem abends sogenannte „Wine Walks“ statt. Wer online eins von den begehrten 250 Tickets erwerben konnte, wandert mit Weinglas durchs Labyrinth und verkostet entlang des Weges unterschiedliche Weinsorten.

Ende August veranstalteten „Die Pflanzenschützer“ im Rahmen des Wine Walks eine Infoveranstaltung, um mit Verbraucherinnen und Verbrauchern über das Thema Pflanzenschutz ins Gespräch zu kommen. Als Ansprechpartnerin stand eine AgrarScoutin vom Forum Moderne Landwirtschaft bereit. Zudem konnten die Gäste ein „Mais-Diplom“ machen, verschiedene Getreidesorten erraten und Give-aways mitnehmen. Besonders gefragt waren die neuen Seedcards der Pflanzenschützer, die an ein Gewinnspiel gekoppelt sind.

„Das Interesse war groß“, freut sich die AgrarScoutin Hanna Krautscheid vom Forum Moderne Landwirtschaft. „Viele Besucherinnen und Besucher kamen auf uns zu, um sich zu informieren und den Austausch zu suchen. Es wurden viele Fragen zum Thema Pflanzenschutz gestellt und auch Bedenken geäußert. In den Gesprächen konnten wir diese aber größtenteils aus dem Weg räumen.“ Für Überraschung sorgte auch immer wieder der Fakt, dass Mais im Vergleich zu anderen Kulturen in der Regel am wenigsten Pflanzenschutz benötigt.

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Feldhygiene nach der Ernte

Sind die Felder abgeerntet, werden sie nicht einfach sich selbst überlassen. Das Stichwort lautet „Feldhygiene“. Mit den richtigen Maßnahmen können Landwirtinnen und Landwirte schon jetzt einen wichtigen Grundstein legen, um ihren Bestand im kommenden Jahr vor Schädlingen und Unkräutern zu schützen. Dabei kommen vor allem Maßnahmen des acker- und pflanzenbaulichen sowie des mechanischen Pflanzenschutzes zum Einsatz.

Überbleibsel der Vorfrucht

Mit der Ernte soll die zuletzt angebaute Kultur vollständig vom Acker weichen. Die gerade abgeerntete Pflanze bezeichnet man nun als Vorfrucht. Zwar sind moderne Mähdrescher dazu in der Lage, die Ernte so zu dreschen, dass dabei möglichst wenig Erntegut verloren geht. Dennoch landen immer wieder einzelne Körner auf dem Acker. Das geschieht vor allem bei Kulturen mit besonders kleinen Körnern, wie dem Raps. Die auf dem Acker verbleibenden Samen der Vorfrucht würden kurze Zeit nach der Ernte wieder aufkeimen und sich mit der folgenden Frucht vermischen. Das hätte zwei Effekte: Erstens könnte die Vorfrucht dominanter als die Folgekultur sein und die Pflanzenarten würden um Nährstoffe, Wasser und Licht konkurrieren. Zweitens könnte die auf dem Acker verbleibende Vorfrucht die positiven Effekte der Fruchtfolge verringern: Der Landwirt wechselt unterschiedliche Pflanzenarten miteinander ab. Die Fruchtfolge soll vermeiden, dass sich Schädlinge und Krankheiten, die sich auf eine Kultur spezialisiert haben, im Feld halten und weiter vermehren. So lässt sich der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln reduzieren.

Stoppelbearbeitung zum Erosionsschutz

Der erste Schritt nach der Ernte ist die sogenannte Stoppelbearbeitung. Dabei werden die auf dem Acker zurückgebliebenen Stängel und Stoppeln bearbeitet. Die dafür benutzten Geräte ritzen, schneiden und ratschen so über den Boden, dass alle Stängel und die Samen abgebrochen und leicht in den Boden eingearbeitet werden. Die Stängel müssen abgebrochen werden, da sie wie Trink-Strohhalme im Boden stecken und über Kapillarkräfte das Wasser aus dem Boden saugen. Ohne Bearbeitung könnten sie so die Verdunstung begünstigen und den Boden stark austrocknen. Auch die auf dem Feld verbliebenen Samen der Vorfrucht werden bei diesem Schritt eingearbeitet, um optimale Bedingungen für ein Aufkeimen zu schaffen. Ziel ist es nämlich, die Körner vollständig zum Aufkeimen zu bringen, um die unerwünschten Keimlinge dann in einem nächsten Schritt zu beseitigen.

Beseitigung von unerwünschten Pflanzen

Die Keimlinge der Vorfrucht und die Unkräuter, die nun ihre kurzzeitige Chance zum Wachsen hatten, müssen entsprechend beseitigt werden. Dafür gibt es die Möglichkeit des chemischen Pflanzenschutzes und die der mechanischen Bodenbearbeitung. Beide haben entsprechende Vorteile.

Die mechanische Bodenbearbeitung ist vor allem in der ökologischen Landwirtschaft das Mittel der Wahl. Um die Unkräuter und die Überbleibsel der Vorfrucht zu beseitigen, werden die Keimlinge zum Beispiel mitsamt dem Boden mit dem Pflug gedreht und begraben. Der Keimling ist zu schwach und schafft es nicht, sich einmal um 180° zu drehen und mehrere Zentimeter Boden zu durchwachsen. Mittlerweile wird oft vermieden, den Boden zu pflügen: Durch das Wenden des Bodens wird das empfindliche Bodengefüge gestört und der Boden außerdem Wind und Wetter preisgegeben. Bei der verbleibenden mechanischen Alternative werden die jungen Pflanzen abgetötet, durch mehrmaliges Schlitzen und Schneiden der obersten Bodenschicht. Das erfordert aber mehrere Überfahrten, ist daher arbeitsintensiv und verdichtet durch das Gewicht des Traktors den Boden.

Chemischer Pflanzenschutz hat den Vorteil, dass der Boden nicht gewendet werden muss. Dadurch bleibt das Bodengefüge erhalten und die toten Pflanzen bilden eine Humusauflage auf dem Boden. Außerdem ist der Dieselverbrauch beim Einsatz einer Feldspritze geringer als der eines Traktors mit Pflug, da in der Regel weniger Fahrten notwendig sind. Außerdem kann die Spritze breitere Streifen behandeln und muss nicht gegen den Boden arbeiten.

Die Feldhygiene nach der Ente ist ein zentraler Schritt für Landwirtinnen und Landwirte jeder Produktionsrichtung. Am Ende kann die Entscheidung für die korrekte Maßnahme aber oft nicht einfach nach Lehrbuch getroffen werden. Denn viele verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel die Vorfrucht, Probleme mit verschiedenen Unkräutern oder etwa die Witterungsbedingungen, beeinflussen die Auswahl passender Bausteine und Maßnahmen im integrierten Pflanzenbau.

 

 

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Biologischer Pflanzenschutz: Trichogrammakarten zum Schutz vor dem Maiszünsler

Der Maiszünsler legt zu Beginn des Julis seine Eier auf den Blättern der Maispflanze ab. Sobald die Larven schlüpfen, bohren sie sich von oben in den Maisstängel und fressen sich von hier aus nach unten durch. Da auch nach der Ernte oft Stoppeln der Maispflanze auf dem Feld stehenbleiben, können die Maiszünslerlarven so auf dem Feld überwintern. Ist der Stängel der Maispflanze erst einmal beschädigt, kann diese nicht mehr gut wachsen – im schlimmsten Fall sogar abknicken und zusammenbrechen. Die zu erwartenden Erträge fallen deutlich geringer aus. Auch Maisbeulenbrand kann die Folge sein, was wiederum zu einer Vermehrung von Fruchtfliegen auf dem Acker führt.

Wie können Landwirtinnen und Landwirte gegen den Maiszünsler vorgehen? Neben der Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel hat sich hier inzwischen auch eine effektive Maßnahme des biologischen Pflanzenschutzes durchgesetzt: die Trichogrammakarten (siehe auch Bausteinclip “Biologischer Pflanzenschutz”).

Wie funktionieren Trichogrammakarten?

Trichogrammakarten enthalten Larven von Schlupfwespen, die sich in unterschiedlichen Stadien befinden. Auf dem Feld ausgebracht, schlüpfen die Larven zu leicht versetzten Zeitpunkten und können so über einen längeren Zeitraum die Eier des Maiszünslers vernichten. Sobald die Schlupfwespen nicht mehr ausreichend Nahrung finden, sterben die Populationen wieder aus. Generell haben Schlupfwespen nur eine kurze Lebensdauer von ca. 10 Tagen.

„Ein guter Zeitpunkt zur Ausbringung der Trichogrammakarten auf dem Feld ist etwas früher als die Anwendung chemischen Pflanzenschutzes“, erklärt Landwirt Achim Deipenwisch. Er setzt die Karten bereits seit sechs Jahren ein. „Sobald der Zuflug der ersten Falter beginnt, bringen wir die Trichogrammakarten aus.“ Dies wird meist von Hand gemacht, pro Hektar sind ca. 30 Karten nötig. Alternativ gibt es auch Trichogrammakugeln, die mit einer GPS-gesteuerter Drohne ausgebracht werden.

Viele Faktoren entscheidend für den Erfolg der Maßnahme

„Bei der Entscheidung, wie die Landwirtin oder der Landwirt die Maispflanzen schützt, wägt er neben Umweltfaktoren auch Kosten und Nutzen ab“, erklärt Achim Deipenwisch. „Trichogrammakarten sind deutlich günstiger als chemische Pflanzenschutzmittel, ihre Anwendung ist aber gerade bei der manuellen Ausbringung aufwendiger. Trichogrammakarten haben zudem einen reduzierten Wirkungsgrad im Vergleich zu chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen. Es kommt entscheidend darauf an, wie stark der Druck und die zu erwartenden Schäden durch den Maiszünsler sind. Dies ist regional sehr unterschiedlich.“ Während der Maiszünslerbestand mit chemischem Pflanzenschutz durchschnittlich um 80 Prozent verringert wird, sind es bei der biologischen Variante nur rund 60 Prozent.

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Lagerung der Ernte: Schutz vor Schädlingen und Pilzen

Mehlmotten kennt jeder. Methoden, um die Vorratsschädlinge im Haushalt wieder loszuwerden, vermutlich auch. Doch wie schaffen es Landwirtinnen und Landwirte große Mengen an Getreide vor schädlichen Einflüssen zu schützen? Monate lang werden die Bestände gehegt und gepflegt und mit den verschiedenen Bausteinen des Pflanzenschutzes vor Schaderregern geschützt. Da wäre es doch mehr als ärgerlich, anschließend Einbußen durch Lagerschädlinge und Verderb hinnehmen zu müssen. Daher ist es nicht nur auf dem Feld, sondern auch bei der Lagerung wichtig, die Ernte fachgerecht mit vorbeugenden Maßnahmen zu schützen.

Lagerung schafft Versorgungssicherheit

Nicht immer wird das komplette Erntegut direkt nach der Ernte weiterverkauft. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Einerseits versuchen Landwirtinnen und Landwirte die Preise stabil zu halten, höhere Erträge zu erzielen oder Versorgungsengpässe auszugleichen. Andererseits wird das gelagerte Erntegut häufig auch als Tierfutter auf dem eigenen Betrieb eingesetzt. Dies schafft einen betriebsinternen Nährstoffkreislauf, spart Transportwege und ist eine klimaschonende Futtermittelbeschaffung.

Eingelagert wird Erntegut, wie zum Beispiel Getreide, vor allem auf zwei Weisen: Entweder es wird in einer Halle, in einem sogenannten Flachlager auf Mieten geschüttet oder es kommt in spezielle Hochsilos. Diese charakteristischen Silotürme sieht man bei Überlandfahrten oft neben Höfen und Ställen aus der Landschaft ragen. Sie sind speziell für die Einlagerung von Getreide entworfen und lassen sich gut und sicher verschließen. Bei der Einrichtung des Lagers muss nämlich vor allem darauf geachtet werden, dass es nicht für Nager oder Vögel zugänglich ist. Hier ist besondere Vorsicht geboten.

Gründliche Reinigung fördert die Lagerfähigkeit

Der erste Schritt für eine sichere Einlagerung ist zunächst eine gründliche Reinigung – sowohl des Ernteguts als auch des Lagers. Um ideale Bedingungen zu schaffen, wird neben Staub und Dreck auch Altgetreide aus dem Lager entfernt. Dieses könnte z. B. mit Pilzsporen oder Insekteneiern behaftet sein. Doch auch das Erntegut selbst wird gründlich gereinigt. Denn trotz effizienter Mähdrescher enthält das Erntegut immer auch unerwünschte Bestandteile. Dieser sogenannte Fremdbesatz setzt sich z. B. aus Samen von Unkräutern, Halmbestandteilen oder Spelzen zusammen. Manchmal können auch kleine Steine oder sogar Metallteile enthalten sein. Da man diese weder im Lager und schon gar nicht im Brot haben möchte, werden sie bei der Vorreinigung entfernt. Das ist tatsächlich nicht nur gut fürs Brot, sondern auch fürs Klima innerhalb des Ernteguts. Fremdkörper machen die Mischung inhomogen, was Energieverluste bei der Durchlüftung verursacht und damit zum Verderb der Ernte führen kann.

Schlechtes Klima fördert Schädlinge und Pilze

Das Klima ist während der Lagerung ein wichtiger Faktor. Dabei achten Landwirtinnen und Landwirte auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Für Getreide sind z. B. eine Temperatur von 14 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von maximal 14 Prozent ideal. Um die Temperatur im Lager konstant niedrig und das Klima trocken zu halten, muss das Getreide gut durchlüftet werden. Unter Umständen muss es vor dem Einlagern auch aktiv gekühlt oder nochmal getrocknet werden. Mit der Überwachung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit wird z. B.  kontrolliert, ob sich Schädlinge oder Pilze im Getreide ausbreiten. Ein Anstieg von Temperatur und Luftfeuchtigkeit würde anzeigen, dass sich Leben im Lager entwickelt.

Auch nach der Ernte gilt es also, das Erntegut weiterhin vor Schädlingen und Pilzen zu schützen. Gelingt dies, können Landwirtinnen und Landwirte es sogar über mehrere Jahre lagern.

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Praxisberichte: Biostimulanzien in der Anwendung

Biostimulanzien sind Naturstoffe, die pflanzliche Ernährungsprozesse stimulieren. Landwirtinnen und Landwirte versprechen sich hierdurch eine verbesserte Nährstoffaufnahme und -verwertung in den Kulturpflanzen. Biostimulanzien sollen etwa das Wurzelsystem verbessern und gleichzeitig die Stresstoleranz gegenüber abiotischen Umweltfaktoren wie Trockenheit, Hitze oder Frost steigern (siehe auch Newsbeitrag Biostimulanzien).

In der Landwirtschaft gewinnen Biostimulanzien unterschiedlichster Art immer mehr an Relevanz. Wir haben mit drei Landwirten aus dem Pflanzenschützer-Netzwerk gesprochen und nachgefragt, welche Erfahrungen sie bisher mit Biostimulanzien sammeln konnten. Welche Biostimulanzien wurden getestet? Wie werden sie angewandt? Und was können die Stoffe in der Praxis leisten?

Seit rund drei Jahren setzt Matthias Albers aus Rheine (Nordrhein-Westfalen) auf dem elterlichen Hof Biostimulanzien ein. Er hat bislang gute Erfahrungen damit gemacht. „Ich nutze die Biostimulanzien überwiegend in Nährstoffbeizen, sowohl bei Mais als bei Getreide“. Mit der Beize werden die Nährstoffe und Biostimulanzien auf das Saatgut aufgebracht, wo sie unmittelbar am Keimling wirken können. „Die Biostimulanzien, die ich anwende, sind sich dabei alle relativ ähnlich. Sie basieren auf Pflanzenextrakten und/oder einem lebenden Bakterium“, so der Junglandwirt. Er ist überzeugt, dass Nährstoffbeizen kombiniert mit Biostimulanzien schon bald zum Standard in der Landwirtschaft gehören. „Besonders bei der Jugendentwicklung der Maispflanzen zeigen sich positive Ergebnisse; aber auch im Wurzelwachstum – vor allem bei der Feinwurzel.“

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Auch Phillip Krainbring aus Wanzleben-Börde (Sachsen-Anhalt) setzt schon länger Biostimulanzien bei sich auf dem Hof ein. Er fing bereits 2017 damit an, unterschiedliche Möglichkeiten zu testen. Seine Motivation zog er daraus, Alternativen zu chemischer Saatgutbehandlung zu finden. Er will auf politische Vorgaben gut vorbereitet sein, anstatt irgendwann adhoc reagieren zu müssen. „Im ersten Schritt habe ich es mit einer Elektronen-Saatgut-Behandlung ausprobiert. Danach habe ich es auch mit Beizen versucht. Mikroorganismen waren dabei, aber auch Algenextrakte. Hauptsächlich habe ich Biostimulanzien im Mais und Weizen eingesetzt; teilweise und in deutlich kleinerem Umfang auch im Raps und bei Zuckerrüben.“ Phillip Krainbring konnte dabei zwar bisher keine gravierenden Unterschiede bei der Ertragsmenge feststellen. Er ist sich aber sicher, dass er durch Biostimulanzien ein verbessertes Wurzelwachstum sehen kann und seine Kulturpflanzen dank Biostimulanzien robuster sind.

Dirk Klaßen aus Jüchen (Nordrhein-Westfalen) sieht in Biostimulanzien die Möglichkeit, seine Kulturpflanzen resistenter gegen Stressfaktoren zu machen. Langfristig verspricht er sich hierdurch auch eine Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln. Dirk Klaßen nutzt bereits seit über fünf Jahren Algenprodukte im Zuckerrübenanbau. Dort hat er auch schon Mikroorganismen, Gesteinsmehle und Bakterienprodukte ausprobiert. Einerseits möchte er mit Hilfe von Biostimulanzien Synergien mit chemischen Pflanzenschutzmitteln schaffen und speziell die Wirkung von Fungiziden verbessern, andererseits versucht er damit Insektizide einzusparen.

Durch die guten Erfahrungen, die Matthias Albers mit Biostimulanzien machen konnte, steht der weitere Einsatz für ihn außer Frage. „Biostimulanzien sind eine tolle Möglichkeit, Nährstoffe optimal zu nutzen. Durch vitalere Pflanzen werden wir langfristig Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft einsparen können“, ist er überzeugt. Gleichzeitig blickt er gespannt auf zukünftige Entwicklungen in diesem Bereich: „Wenn neue Produkte auf dem Markt sind, bin ich immer bereit, diese zu testen. Ich denke, jede Landwirtin und jeder Landwirt sollte bei Biostimulanzien eigene Erfahrungen sammeln!“

Phillip Krainbring ergänzt, dass man als Landwirtin und Landwirt generell nicht „stehenbleiben“ sollte: „Es ist wichtig, sich immer weiterzuentwickeln, unbefangen Neues auszuprobieren und selbst zu schauen, was für einen funktioniert.“ Er achte darauf „neue Methoden nicht immer gleich komplett anzuwenden, sondern Vergleichsflächen mit und ohne die Maßnahme zu haben, um gute Aussagen über den Erfolg treffen zu können.“

Für Dirk Klaßen ist es entscheidend, sich bei seinen Versuchen mit Biostimulanzien und anderen Naturprodukten nicht zu schnell entmutigen zu lassen. Obwohl er zum Beispiel bei der Wirkung von Rottelenkern (Substanzen, die die Verrottungsprozesse beschleunigen) bisher keine großen Erfolge sehen konnte, will er das Thema noch nicht aufgeben. Außerdem plant er, demnächst Komposttees auszuprobieren. Diese stellen Kulturpflanzen Mikroorganismen in sehr hoher Menge zur Verfügung.

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Pflanzenschutz im Erdbeeranbau: Anspruchsvolle Sonderkultur

Erdbeeren gehören zu den beliebtesten saisonalen Obstsorten in Deutschland, trotz eines Rückgangs der Anbaufläche in den vergangenen Jahren. Im Jahr 2020 wurden Erdbeeren auf 14.480 Hektar im Freiland und zusätzlich auf 1.670 Hektar geschützt angebaut, also in Gewächshäusern oder unter sogenannten Tunneln – das entspricht etwa der Fläche von Freiburg. Die Anfälligkeit der Erdbeere für Krankheiten sowie die eher kurze Erntezeit von knapp zwei Monaten führen aber dazu, dass der Anteil der geschützten Anbauflächen wächst. Doch worauf ist beim Erdbeeranbau in der Landwirtschaft und im heimischen Garten zu achten? Und wovor müssen Erdbeeren geschützt werden?

Sowohl in der Landwirtschaft als auch im heimischen Garten oder auf dem Balkon muss beim Erdbeeranbau viel beachtet werden, denn die Pflanze ist alles andere als anspruchslos. Erdbeeren bevorzugen einen tiefgründigen, humosen Lehmboden, der einerseits genug Feuchtigkeit und eine lockere Struktur aufweist, andererseits aber auch nicht zu nass oder kalt sein darf. Selbst unter guten Bedingungen sind Erdbeeren anfällig für Krankheiten. Dazu zählen neben Fäulniskrankheiten wie Grauschimmel-Fruchtfäule, Lederbeerenfäule und Rhizomfäule auch die Rot- und Weißfleckenkrankheit, welche man an den braunroten Flecken (mit weißem Zentrum) auf den Blättern erkennen kann. Auch Schädlinge wie Erdbeerblütenstecher, Erdbeermilbe, Blatt- und Stängelälchen und Nacktschnecken können den Pflanzen und ihren Früchten zusetzen.

Grauschimmelfäule (Botrytis) an Erdbeere, Quelle: Pflanzenschutzamt Berlin
Grauschimmelfäule (Botrytis) an Erdbeere, Quelle: Pflanzenschutzamt Berlin

Um intakte Früchte ernten zu können, müssen Erdbeeren daher geschützt werden. Dabei werden unterschiedliche Pflanzenschutzmaßnahmen kombiniert. Zum natürlichen Schutz ist es sowohl auf dem Feld als auch im Garten entscheidend, die Früchte nicht zu nah aneinander zu pflanzen, um ein Übergreifen von Krankheiten zu vermeiden. Heu oder Stroh können als natürlicher Trockenschutz für die Früchte dienen, sodass diese nicht auf dem Boden aufliegen. Zudem sollten Erdbeerkulturen nicht zu lange in Folge auf derselben Fläche angebaut werden. Spätestens nach zwei Jahren nimmt in der Regel die Fruchtqualität ab und es steigt das Risiko, dass sich Krankheiten auf den Flächen halten.

Im landwirtschaftlichen Anbau wird neben den genannten ackerbaulichen Pflanzenschutzmaßnahmen auch chemischer Pflanzenschutz eingesetzt, um Pilzkrankheiten und Schädlinge in den Griff zu bekommen. Generell können natürliche Schutzmaßnahmen den Bedarf an chemischen Pflanzenschutzmitteln reduzieren. Durch ihre hohe Anfälligkeit gegenüber Krankheiten, kann aber kaum auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel verzichtet werden. In der Regel wirken diese sehr selektiv, also nur gezielt für den jeweiligen Bedarf und werden in möglichst kleinen Mengen eingesetzt.

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Saatgutbehandlung: Alternativen zur chemischen Beizung

Die Beizung von Saatgut gilt als eine der ältesten Maßnahmen unter den Bausteinen des Pflanzenschutzes. Spätestens seit dem Einsatz chemischer Beizmittel im 19. Jahrhundert etablierte sie sich als effektive Methode, um Saatgut vor Schädlingen, Pilzen und Krankheitserregern zu schützen. Doch die politischen Ziele, den Einsatz chemischer Mittel in der Landwirtschaft zu reduzieren, richten sich auch an die Beizung: Immer wieder gibt es neue Auflagen zur Reduktion oder fallen chemische Wirkstoffe ganz weg. Daher wird vermehrt zu nicht chemischen Alternativen der Saatgutbehandlung geforscht.

Elektronenbehandlung

Bei dieser Methode werden Elektronen erzeugt und mithilfe eines Elektronenbeschleunigers auf das Saatkorn gelenkt. Beim Aufprall wird Energie freigesetzt, die Pilzsporen und Bakterien abtötet. Dieses Verfahren wirkt dabei nur gegen Erreger auf der Kornoberfläche. Gegen Krankheitserreger im Inneren der Samenkörner, wie zum Beispiel Flugbranderreger, ist es wirkungslos.

Dampfbehandlung

Die Dampfbehandlung gilt als besonders effiziente Methode zur Behandlung von Saatgut. Sie ist kostengünstig und erfordert wenig Zeitaufwand. Durch heißen Wasserdampf werden Krankheitserreger auf der Kornoberfläche abgetötet. Nachteil der Dampfbehandlung: Auch sie wirkt nicht gegen Erreger im Inneren des Saatguts.

Biologische Behandlung

Der Einsatz von bestimmten Bakterien ist in der ökologischen Landwirtschaft schon lange verbreitet. Diese töten gezielt Pilze und Krankheitserreger auf dem Saatgut ab und verhindern so eine Ausbreitung der Schäden.

Biostimulanzien

Anders als die übrigen Verfahren, dient die Beizung mit Biostimulanzien dazu, beispielsweise die Nährstoffaufnahme und die Wurzelbildung der Pflanzen anzuregen und so ein gesundes Pflanzenwachstum zu fördern.

Echte Alternativen für die chemische Beizung?

Die hier vorgestellten Methoden sind vor allem bei der Bekämpfung von Pilzen und Krankheitserregern auf der Oberfläche des Saatguts eine wirksame Alternative zu chemischer Beizung. Gegen Erreger im Innern, wie beispielsweise Flugbrand, sind sie aber in der Regel wirkungslos. Zudem bieten die alternativen im Gegensatz zu chemischen Beizmitteln keinen vorbeugenden Schutz, zum Beispiel gegenüber Krankheitserregern oder Schadinsekten im Boden.

Bei Anwendung dieser Verfahren ist es also für die Landwirtschaft besonders wichtig, das Saatgut bei der Aufbereitung sorgfältig zu prüfen, um einen Befall mit solchen samenbürtigen Krankheitserregern auszuschließen. Außerdem hängt die Wahl der richtigen Methode zur Saatgutaufbereitung im Einzelfall von den Anbaubedingungen und den Gegebenheiten der Anbauflächen ab.

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