Zeigen, was auf dem Feld passiert: ein Erfahrungsbericht zur eigenen Pressearbeit

Die Lokalpresse berichtet gerne darüber, was in der Region passiert, z. B. in der Landwirtschaft. Deshalb sind Landwirtinnen und Landwirte mit ihrem Expertenwissen beliebte Kontakte. Das Gespräch mit der Presse ist aber auch umgekehrt eine gute Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen und Einblicke in Arbeitsbereiche zu geben, über die in der Öffentlichkeit sonst nur wenig und einseitig berichtet wird. Dazu gehört auch das Thema Pflanzenschutz: Was zählt eigentlich alles zum Pflanzenschutz? Warum wird er angewandt? Zu welchen Zeitpunkten? Und was ist beispielsweise wichtig bei der Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln?

Viele Landwirtinnen und Landwirte aus dem „Schau ins Feld!“-Netzwerk konnten bereits positive Erfahrungen mit der Presse sammeln. Der Zeitpunkt, an dem die Nullparzelle angelegt wird, ist optimal, um die Presse zu kontaktieren. Jan Juister aus Hude, selbst Pflanzenbauberater und seit ein paar Jahren in Rente, stellte 2020 eine solche Kooperation mit dem Landwirt Ronald Bredendieck und der Nordwest-Zeitung auf die Beine. Während der gesamten Saison 2020 luden sie regelmäßig einen Lokalredakteur auf den Hof ein und vermittelten ihm unterschiedlichste Personen als Interviewpartner. Dazu haben wir bei Herrn Juister nachgehakt.

Welche Themen haben Sie dem Lokalredakteur angeboten?

Juister: Damit auf dem Feld etwas wächst und geerntet werden kann, passiert weit mehr als nur die Aussaat. Hier wollten wir am Beispiel Mais deutlich weiter ausholen und zeigen, welche Schritte für eine sichere, gesunde Ernte erforderlich sind. Los ging es bereits im Frühling, noch lange vor der Aussaat.

Über was genau wurde berichtet?

Juister: Durch die Entnahme von Bodenproben ließ mein Landwirtschaftskollege Herr Bredendieck zunächst prüfen, ob noch ausreichend Nährstoffe vorhanden sind. Hierfür zog er beim ersten Termin einen Agrartechniker hinzu, der an unterschiedlichen Stellen Bodenproben entnahm. Das zweite Mal haben wir den Journalisten eingeladen, um mit einem Mitarbeiter der Lufa Nord-West (Kontrolllabor im Bereich des ökologischen Anbaus) zu sprechen. Dieser erklärte, welche Maßnahmen aus den Ergebnissen der Bodenproben abgeleitet werden konnten. Bei einem dritten Termin habe ich als Experte für Pflanzenbauberatung die Bedeutung von Zwischenfrüchten aufgezeigt.

Die erste Düngung auf dem Feld konnte dank GPS passgenau ausgebracht werden. Erst im Zuge der zweiten Düngung fand dann die tatsächliche Aussaat statt. Als später erste Unkräuter zu sehen waren, kam die Pflanzenbauberatung wieder ins Spiel. Züchtung von Saatgut und wofür der Mais nach der Ernte verwendet wird, waren weitere, allgemeinere Themen.

Warum ist Pflanzenschutz beim Ackerbau so wichtig?

Juister: Für das Wachstum und die Erträge ist es wichtig, dass Kulturpflanzen vor Unkräutern, Krankheiten und Schädlingen geschützt werden. Der Einsatz von Pflanzenschutzmaßnahmen und Pflanzenschutzmitteln muss dabei immer auch verantwortungsvoll der Umwelt gegenüber sein. Schließlich ist die Natur die Grundlage für die Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte.

Wie haben Sie das Thema Pflanzenschutz erklärt?

Juister: Um zu zeigen, wie sich der Verzicht auf Pflanzenschutz auswirkt, hatte Herr Bredendieck im Zuge der Mitmach-Aktion „Schau ins Feld!“ eine Nullparzelle auf seinem Feld angelegt, die wir dem Lokaljournalisten gezeigt haben und die auf großes Interesse stieß. In diesem Bereich verzichtete Herr Bredendieck auf jegliche Formen des Pflanzenschutzes. Der Verzicht hatte gravierende Auswirkungen auf das Wachstum der Pflanzen, z. B. da ihnen aufgrund von Unkräutern neben Wasser auch wichtige Nährstoffe fehlten. Später zeigte sich dies auch deutlich bei der Qualität und Quantität der Erträge.

Was ist Ihr Fazit zur Pressearbeit?

Juister: Ich hatte auch zuvor schon ab und zu mit der Presse gesprochen. Ich sehe es als eine tolle Möglichkeit, zu erklären, was in der Landwirtschaft passiert, da Verbraucherinnen und Verbraucher heutzutage kaum noch Kontakt zur Landwirtschaft haben. Mich haben nach den ersten Artikeln in der Nordwest-Zeitung viele Menschen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis auf die Bericht-Serie angesprochen. Sie haben mir widergespiegelt, wie spannend sie es fanden, Hintergründe zum Thema moderne Landwirtschaft zu erfahren.

Zum nächsten Fakt

Frost im Winter: Schadet Kälte der Landwirtschaft?

Für die Landwirtschaft ergeben sich einige Vorteile durch einen kalten Winter. Die Frostgare verbessert die Wachstumsbedingungen für Kulturpflanzen auf dem Feld. Einige bodenbürtige Pflanzenkrankheiten und Schädlinge wie Blattläuse werden von Temperaturen unter dem Gefrierpunkt in Schach gehalten. Aber es gibt auch Risiken für die Landwirtschaft. Frostschutz spielt nämlich auch im Pflanzenschutz eine Rolle.

Pflanzen sind an kalte Winter angepasst

Frost bringt gleich mehrere Schwierigkeiten für Pflanzen mit sich. Gefriert das Wasser im Boden, kann die Pflanze es nicht mehr aufnehmen. Gefriert das Wasser in der Pflanze, dann kann die Wasserzufuhr blockiert werden. Beides führt dazu, dass sie vertrocknet. Noch gravierender wäre es, wenn das Wasser in den Zellen gefrieren würde. Es würde sich ausdehnen und die Zellen damit zerstören.

Doch Pflanzen sind perfekt an ihren Lebensraum angepasst und auf kalte Temperaturen vorbereitet. Zwar sterben einjährige Pflanzen und nur ihre Samen überstehen den Winter. Doch viele andere Pflanzen haben unterschiedliche Strategien entwickelt, um mit Kälte umzugehen. Im Wesentlichen fahren sie ihre Prozesse zurück und lagern Nährstoffe für das Frühjahr ein.

Obstbäume zum Beispiel ziehen, wie alle Laubbäume, Nährstoffe aus ihren Blättern und lagern diese in Form von angedicktem Pflanzensaft in Stamm und Wurzeln ein. Der Saft enthält soviel Zucker, dass er nicht gefrieren kann – ein natürliches Frostschutzmittel. Der Verlust der Blätter ist zudem ein Schutz vor dem Austrocknen. An sonnigen Wintertagen würde sonst zu viel Wasser über die Blätter verdunsten. Dieses verlorene Wasser könnten die Bäume aus dem möglicherweise gefrorenen Boden nicht mehr aufnehmen.

Plötzlicher Frost ist eine Gefahr

Frost kann für Pflanzen gefährlich werden, vor allem dann, wenn er plötzlich auftritt. Denn Pflanzen brauchen Zeit, um sich auf Kälte einzustellen. Besonders gefährlich sind Spätfröste im Frühjahr für Obstbäume und Weinreben. In diesem Jahr kam es noch im April zu starken Frösten, nachdem es im März schon sehr warm war. Wenn Obstbäume nach den ersten warmen Frühlingswochen schon austreiben und Blüten bilden, kann plötzlicher Frost die ganze Ernte vernichten. Er lässt nicht nur die Blüten, sondern auch das Wasser im bereits wieder verdünnten Pflanzensaft in den Zellen einfrieren. Diese werden zerstört und in den Bäumen entstehen Risse.

Frostschutz als Pflanzenschutz: Wärme, Eis und Schnee

Doch was können Landwirte tun, um Ihre Pflanzen zu schützen? Zum Beispiel kommen sogenannte Frostschutzkerzen oder Gasbrenner zum Einsatz. Sie spenden Wärme und werden zwischen den Pflanzen verteilt. Auf großen Anbauflächen, zum Beispiel im Weinbau, können auch Hubschrauber zum Einsatz kommen: Mit ihren Rotoren wirbeln sie kalte und warme Luftschichten durcheinander und sorgen dafür, dass die jungen Triebe vor Frost geschützt werden. Andere Kulturen können mit Flies abgedeckt werden, um sie vor kalten Temperaturen zu schützen. Ähnlich wirkt auch ein ganz natürlicher Frostschutz: nämlich Schnee. Eine Schneedecke ist wie ein Luftpolster, das die Pflanzen unter sich vor Frost schützt.

Doch eines der wirksamsten Mittel zum Frostschutz ist ausgerechnet das Gefrieren selbst. Das klingt erstmal paradox, ist aber sehr effektiv, wenn die nötige Ausstattung vorhanden ist. Bei der sogenannten Frostschutzberegnung werden vor allem Obstbäume von oben mit Wasser bestäubt. Wenn das Wasser dann an den Pflanzenteilen gefriert und seinen Aggregatzustand von flüssig zu fest ändert, wird Energie freigesetzt: die sogenannte Erstarrungswärme. Sie führt dazu, dass die Pflanzen bei Temperaturen nahe Null gehalten werden können, so lange die Beregnung beibehalten wird. Die Beregnung hat noch einen weiteren Effekt: Der feuchtgewordene Boden kann tagsüber mehr Wärme aufnehmen, speichern und diese nachts wieder an die Luft abgeben.

Zum nächsten Fakt

„Pflanzenschützer des Jahres“ 2021 ausgezeichnet

Warum ist Pflanzenschutz notwendig? Wie wird er richtig angewandt? Und wie passen konventionelle Landwirtschaft und Förderung der Biodiversität zusammen? Teilnehmende an der Aktion „Schau ins Feld!“ suchten auch in 2021 wieder das Gespräch mit der Presse sowie mit Verbraucherinnen und Verbrauchern: direkt am Feldrand, bei Veranstaltungen oder über Social Media. Eine Landwirtin und zwei Landwirte zeichneten sich dabei durch besonders großes Engagement aus und wurden als „Pflanzenschützer des Jahres“ 2021 geehrt. Als Dank konnten sie sich über einen Erlebnisgutschein von MyDays im Wert von 500 € sowie einen gefüllten Präsentkorb vom Weingut Becker freuen.

Sie waren 2021 bei „Schau ins Feld!“ besonders aktiv: Carsten Kummerfeld, Daniel und Marlene Laufer, Michel Allmrodt.

Der Landwirt und YouTuber Michel Almrodt aus Sachsen-Anhalt ließ die Pflanzenschützer-Community in der Saison 2021 mit Videos an seinem beruflichen Alltag auf dem Feld teilhaben. Von den ersten Vorbereitungen und der Aussaat über Biodiversitätsmaßnahmen bis hin zur Ernte machte er regelmäßig authentische Aufnahmen. „Nicht nur in der Stadt, auch viele Menschen auf dem Land haben heute keine Berührungspunkte mehr mit der Landwirtschaft. Für mich ist es wichtig, ihnen zu erklären, was wir auf dem Feld eigentlich machen. Videos sind dafür bestens geeignet“, so Michel Allmrodt zu seiner Motivation. Darüber hinaus nahm er im Namen der Initiative „Die Pflanzenschützer“ an Diskussionsrunden teil und schickte uns regelmäßig Fotos von sich an seiner Nullparzelle und seinen Blühstreifenflächen – den größten in Sachsen-Anhalt.

Auch Dr. Marlene Laufer aus Hessen ist „Pflanzenschützerin des Jahres“ 2021. Über ihr Ziel, die Landwirtschaft bei Verbraucherinnen und Verbrauchern wieder ins Blickfeld zu rücken, sagt sie: „Dabei will ich nicht nur Informationen für Erwachsene bereitstellen, sondern auch Kindern wieder ein Bewusstsein für Natur und Landwirtschaft geben. Wir bereiten alle Inhalte kindgerecht auf.“ Zu ihrem vielfältigen Engagement in 2021 zählt auch ein sechs Kilometer langer „Landwirtschaftlicher-Informations-Pfad“ (Lawi-Info-Pfad). Diesen hat Marlene Laufer zusammen mit ihrer Großfamilie angelegt. Auf dem Pfad in Herleshausen gab es im Zuge der Mitmachaktion „Schau ins Feld!“ auch eine Nullparzelle, die sich mit dem Thema Pflanzenschutz in der modernen Landwirtschaft auseinandersetzte. Dabei konnte anschaulich gezeigt werden, was der Verzicht auf Pflanzenschutz für die Entwicklung der Kulturpflanzen und letztlich für die Ernte bedeutet. Zudem lud Marlene Laufer bei vielen Veranstaltungen und Aktionen, zum Beispiel dem eigenen Sommerfest, die Presse ein. So kamen 2021 ganze acht Veröffentlichungen in der Lokalpresse zusammen.

In dieser Saison haben uns die Teilnehmenden der Aktion „Schau ins Feld!“ zahlreiche Aktionsfotos geschickt: von sich an der Nullparzelle, von ihren Pflanzen, Ertragsvergleichen aber auch von Biodiversitätsmaßnahmen. Besonders engagiert zeigte sich dabei unser dritter „Pflanzenschützer des Jahres“ 2021: Carsten Kummerfeld aus Schleswig-Holstein. Er war der Erste, der die Praxistauglichkeit der neuen „Schau!-Tafel“ unter Beweis stellte und uns davon ein Foto schickte. Von da an hat er uns regelmäßig neue Fotos von seinen Nullparzellen im Raps und im Weizen geliefert – insgesamt mehr als 20 Stück über die gesamte Saison.

Auch im kommenden Jahr sind die Landwirtinnen und Landwirte von „Schau ins Feld!“ wieder dazu aufgerufen, ihre Teilnahme in Bildern und Videos festzuhalten. So können die Mitmachaktion und die Notwendigkeit von Pflanzenschutz einer noch größeren Öffentlichkeit nahegebracht werden.

Zum nächsten Fakt

Winterkälte: ein Segen für die Landwirtschaft?

In den letzten Jahren waren die Winter meistens milder als in früheren Jahren. Trotzdem kam es immer wieder zu plötzlichen Kälteeinbrüchen. Vielen Hobbygärtnern sind dabei Garten- oder Balkonpflanzen erfroren. Aber wie sieht es in der Landwirtschaft aus? Sind die niedrigen Temperaturen im Winter ein Risiko für die Ernte oder sogar ein Segen? Kurzgefasst: sowohl als auch.

Frost sorgt für lockeren Boden

Eine Bauernregel besagt: „Ist der Winter warm, wird der Bauer arm“. An dieser Weisheit ist durchaus etwas dran: Vor allem Ackerbauern freuen sich über kalte Winter. Die sogenannte Frostgare sorgt für eine Lockerung der Ackerböden, die über das Jahr durch Befahren und Niederschläge nachverdichtet sind. Liegen die Temperaturen mehrere Tage in Folge unter dem Gefrierpunkt, gefriert der Boden bzw. die Feuchtigkeit, die die Kapillare und Risse des Bodens durchdringt. Da Eis ein größeres Volumen als Wasser hat, werden größere Erdklumpen regelrecht aufgesprengt. Auch einige Mineralstoffe im Boden werden aufgespalten. Bei jedem erneuten Auftauen und Gefrieren des Bodens wird die Bodenstruktur feiner.

Durch die Frostgare wird den Kulturpflanzen die Durchwurzelung des Bodens erleichtert. Zudem verbessert sich die Verfügbarkeit von Wasser und Nährstoffen. Auch Bodenlebewesen profitieren davon und tragen somit selbst weiter zur verbesserten Bodenstruktur bei. Nach einem kalten Winter hat das im Herbst gesäte Wintergetreide also zu Beginn der Vegetationsperiode im Frühjahr beste Wachstumsvoraussetzungen.

„Dezember kalt mit Schnee, tut dem Ungeziefer weh.“

Oft wird pauschal angenommen, dass kalte Winter für eine natürliche Eindämmung von Schädlingen sorgen. Das ist jedoch von Art zu Art unterschiedlich. Viele heimische Insekten sind perfekt an niedrige Temperaturen angepasst. Sie fallen in eine Winterstarre oder überwintern kältegeschützt. Solche Arten leiden eher unter starken Temperaturschwankungen, die sie zu früh aus ihrer Winterstarre wecken. Auch zu warmes und feuchtes Winterwetter kann viele Schadinsekten gefährden, da sie unter diesen Bedingungen vermehrt von Pilzkrankheiten befallen werden.

Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass milde Winter durchaus die Ausbreitung einiger Schadinsekten und auch Pflanzenkrankheiten begünstigen. Beispielsweise führen sie dazu, dass die Mobilität von krankheitsübertragenden Schädlingen ansteigt oder verlängert wird: Blattläuse beispielsweise vermehren sich dann schon früher im Jahr, weil die erwachsenen Exemplare den Winter in großer Zahl überstehen. Pflanzen sind damit einer höheren Gefahr ausgesetzt. Der Schädlingsbefall wird durch milde Wintertemperaturen dynamischer und für Landwirte schwerer vorhersehbar. Studien zeigen zudem, dass höhere Temperaturen in den Wintermonaten günstigere Bedingungen für bodenbürtige Krankheiten wie Getreiderost und Mehltau schaffen. Bei milden Temperaturen überstehen ihre Erreger den Winter im Boden.

Zum nächsten Fakt