Zwei Wege – ein Ziel: Frische Lebensmittelvielfalt

HOCHWERTIGE PRODUKTE AUS KONVENTIONELLEM UND BIO-ANBAU

Verbraucher in Deutschland haben die Wahl: Beim Lebensmitteleinkauf im Supermarkt können sie immer öfter entscheiden, ob konventionell hergestellte Erzeugnisse oder Bio-Produkte in ihrem Korb landen. Egal, für welches Produkt sie sich entscheiden – es handelt sich in jedem Fall um hochwertige, gesunde Lebensmittel.

 

Bio und konventionell, das sind zwei verschiedene Anbauweisen. Bei der konventionellen Landwirtschaft handelt es sich um die herkömmliche und – nicht nur in Deutschland – am weitesten verbreitete Betriebsform. Es gelten strenge Auflagen an die Umweltverträglichkeit der Produktion und den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.

Die Anforderungen im ökologischen Landbau sind im Vergleich zum konventionellen Anbau gerade in Bezug auf den Einsatz von Betriebsmitteln noch einmal höher. Diese strengeren Regeln gelten sowohl für die Erzeugnisse aus dem Bio-Anbau als auch für die Art der Produktion.

Sowohl der ökologische als auch der konventionelle Landbau leisten ihren Beitrag zu dem hochwertigen Produktangebot, das wir in Deutschland kennen. Die Zahl der Bio-Höfe hierzulande steigt stetig: 2017 wuchs sie um 7,5 Prozent auf insgesamt 29.174 an. Mehr als jeder zehnte Hof in Deutschland wird damit von einem Bio-Bauern bewirtschaftet.

Wachsende Branche – geringere Erträge

Den Löwenanteil an Flächen – und damit auch den Löwenanteil des Ertrags und der Produkte im Supermarktregal – stellen die konventionell arbeitenden Betriebe. Beispielsweise wächst laut Zahlen aus 2017 auf nur 3,8 Prozent der deutschen Getreideflächen Öko-Getreide. Bio-Gemüse machte etwa 8 Prozent der gesamten Gemüseproduktion aus. Während der Bio-Anteil bei der Eierproduktion inzwischen 10,5 Prozent erreicht, sind es beim Geflügelfleisch nur ein Prozent.

Dass die Bio-Branche wächst, aber nicht mit dem konventionellen Anbau gleichziehen kann, liegt auch an den geringeren Erträgen, die in der ökologischen Produktion pro Fläche erzielt werden können. Auf Datenbasis des Bundeslandwirtschaftsministeriums erhob das Forschungsinstitut HFFA die Ertragsunterschiede: Im Durchschnitt geht danach die Umstellung auf Öko-Landbau mit Ertragsrückgängen von 50 Prozent einher.

Öko-Lebensmittel sind in der Regel teurer als konventionell erzeugte Lebensmittel. Mehrere Faktoren spielen beim Zustandekommen der vergleichsweise höheren Preise eine Rolle:

  • Arbeitsaufwand: Bio-Landwirte setzen im Vergleich zu konventionell wirtschaftenden Betrieben beispielsweise stärker auf die mechanische Bodenbearbeitung, um ihre Flächen von Unkraut freizuhalten. Das häufigere Befahren von Acker und Feld mit entsprechendem Gerät kostet Zeit, Personal und Kraftstoff.
  • Tierhaltung: Bio-Landwirte halten weniger Tiere und geben mehr Geld für die artgerechte Haltung aus. Nach ökologischen Gesichtspunkten  bekommen die Tiere Futter in der Art und Menge wie es dem jeweiligen Entwicklungsstadium entspricht. Mastzeiten und somit Haltungskosten verlängern sich dadurch.
  • Fruchtfolge: Alle Landwirte, unabhängig von der Anbauweise, achten darauf, ihre Böden so gesund wie möglich zu halten – sie sind ihre Existenzgrundlage. Im Bio-Anbau gelten jedoch noch strengere Vorschriften, was die Fruchtfolge betrifft. In regelmäßigen Abständen muss der Biobetrieb etwa ein Drittel seiner bewirtschafteten Fläche für den Anbau von Pflanzen reservieren, die dem Boden helfen, sich zu erholen und für künftige Anbauphasen Stickstoff anzusammeln. Mit diesen Pflanzen erzielt der Bio-Landwirt in dieser Zeit keinen Ertrag und kann somit keine Produkte am Markt verkaufen.
  • Kontrollen: Die Kontrolle auf Einhaltung der Bio-Qualitätsrichtlinien und Anbau- bzw. Verarbeitungsvorschriften findet mindestens einmal jährlich statt und das kostet Geld. Ökologisch gekennzeichnete Lebensmittel werden getrennt von konventionell produzieren Lebensmitteln gelagert, verarbeitet und transportiert – auch das wird regelmäßig kontrolliert und muss bezahlt werden. Für all das zahlt der Konsument letztlich mit.

Nahezu identische Qualität

So unterschiedlich die Vorschriften und Ansätze beider Produktionsweisen teilweise sind, so ähnlich sind sich am Ende die Erzeugnisse. Denn Stiftung Warentest fand heraus, dass Bio-Produkte sich in punkto Geschmack und Qualität nicht wesentlich von konventionell hergestellter Ware unterscheiden. Konventionelle Lebens­mittel haben tendenziell die Nase leicht vorn. Sie bekamen bei Produkten wie Fisch, Chips, Nudeln, Milch und Schokolade mehr sehr gute und gute Gesamt­urteile. Bei Gemüse, Zitronen, Hack­fleisch und naturbelassenem Öl haben Bio-Lebensmittel hingegen eine bessere Qualität. Insgesamt ist die Qualität beider Gruppen gestiegen. Alle Ergebnisse des Tests gibt es hier.

Ohne Pflanzenschutz geht es nicht

Eine weitere Gemeinsamkeit von Bio-Produktion und konventionellen Landwirtschaftsbetrieben ist das Thema Pflanzenschutz. Gezielter Pflanzenschutz verhindert den Befall mit Krankheiten, Schädlingen und Unkraut und ist daher unerlässlich für jeden Landwirt, der gesunde Pflanzen heranziehen und somit gesunde Erträge erwirtschaften will. Tatsächlich kommen fast alle Bausteine des ganzheitlichen Pflanzenschutzes in beiden Produktionsweisen zum Einsatz – sie reichen von der mechanisch-physikalischen Bekämpfung über biologische Verfahren bis hin zu biotechnischen Verfahren.

Das Vorgehen der Landwirte unterscheidet sich dabei nur in einem Punkt: Bio-Erzeuger verzichten auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Stattdessen setzen sie auf Pflanzenschutzmittel auf naturstofflicher oder mikrobieller Basis. Die Liste der im Öko-Landbau zugelassenen Wirkstoffe ist lang. Dazu gehören auch nicht ganz unproblematische Wirkstoffe wie Kupfer, die Auswirkungen auf Bodenlebewesen wie Regenwürmer haben können. Vor allem in Sonderkulturen wie Obst und Wein oder im Kartoffelanbau sind kupferhaltige Spritzmittel für Bio-Landwirte aber mangels Alternativen weiterhin unverzichtbar. „Ein Verzicht auf kupferhaltige Präparate würde zu einem sofortigen Rückgang des Ökologischen Landbaus in Deutschland führen“, stellt das Julius Kühn-Institut fest.

Sowohl beim Einsatz von im Öko-Landbau zugelassenen Spritzmitteln als auch beim Einsatz chemisch-synthetischer Mittel arbeiten Landwirte natürlich nicht willkürlich, sondern nach vorgeschriebener Sachkunde. Über jede Anwendung führen sie gründlich Buch und werden von den Behörden streng überprüft. Dabei arbeiten sie stets nach dem Motto: So viel wie nötig. So wenig wie möglich.


Aktuelles

Getestet: gute Qualität, guter Geschmack

Die ökologische und die konventionelle Landwirtschaft sorgen täglich für eine große Lebensmittelvielfalt für den Verbraucher. Die Erzeugnisse beider Produktionsweisen unterscheiden sich dabei in der Gesamtqualität nicht wesentlich. Auch was den Geschmack angeht, liegen die Produkte nah beieinander. Dies zeigen Untersuchungen von Stiftung Warentest. Wo die Unterschiede bei den Erzeugnissen liegen, lesen Sie hier: https://www.test.de/Bio-oder-konventionell-Wer-hat-die-Nase-vorn-4947770-4947787/  

Statement

Der Verbraucher kann nicht genau wissen, wie wir Pflanzenschutz betreiben und […]

Matthias Detzel, Landwirt