Lebensmittelkonsum

ERNÄHRUNGSVERHALTEN – SO ISST DEUTSCHLAND

Verbraucherinnen und Verbraucher bekommen in Deutschland ein breites Angebot an qualitativ hochwertigen und gesunden Lebensmitteln. Zahlen zum Lebensmittelkonsum der Deutschen erhebt regelmäßig das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Ernährungsreport. Für unseren Faktencheck zum Thema haben wir genauer hingeschaut, um eine Frage zu beantworten: Wie isst Deutschland?

Die Ernährungsgewohnheiten ändern sich ständig: Heutzutage wird beispielsweise immer weniger frisch gekocht. 43 Prozent der Verbraucher kochen laut Ernährungsreport 2018 noch so gut wie täglich, 38 nur etwa zwei- bis dreimal in der Woche. Täglich auf den Tisch kommen dabei nach Angaben der Befragten vor allem Obst und Gemüse (bei 72 Prozent), Milchprodukte (65 Prozent) sowie Fleisch und Wurst (30 Prozent).

Was in Deutschland auf den Tisch kommt

Auch wenn vegetarische und vegane Ernährung im Trend ist (6,31 Millionen Bundesbürger ernähren sich einer Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse zufolge 2018 vegetarisch), zählt Fleisch weiterhin für eine große Mehrheit der Verbraucher zu den beliebtesten Mahlzeiten.

Neben Fleisch essen die Bundesbürger dem BMEL-Bericht (2017) zufolge besonders gerne Nudeln sowie Fisch- und Gemüsegerichte. 49 Prozent der Befragten legen besonders viel Wert auf eine schnelle und einfache Zubereitung.

Kriterien für den Einkauf

Wenn es um den Besuch im Supermarkt geht, kaufen 97 Prozent der Verbraucher laut Ernährungsreport 2018 ganz einfach das, was ihnen schmeckt. Neben dem guten Geschmack spielen auch der Preis und die Herkunft des Lebensmittels eine entscheidende Rolle. 41 Prozent der Befragten geben zudem an, auf Produktsiegel wie „Bio“ oder „Fair Trade“ zu achten.

Die Bio-Branche verzeichnet seit Jahren Umsatzzuwächse. 2017 gaben die Deutschen für Bio-Lebensmittel und -Getränke 5,9 Prozent mehr und insgesamt 10,04 Milliarden Euro aus. Die Bioproduktion nahm 2017 aber trotzdem nur 5,7 Prozent des Gesamtumsatzes im deutschen Lebensmittelhandel ein. Konventionell hergestellte Lebensmittel stehen bei den Verbrauchern in Deutschland weiterhin hoch im Kurs.

Ausgaben für Essen sinken

Für Bio-Ware müssen Verbraucher in der Regel tiefer in die Tasche greifen als für konventionell produzierte Ware. Das hängt damit zusammen, dass der Aufwand für die Erzeugung ökologisch hergestellter Lebensmittel höher und der Ertrag niedriger ist. Der Preis ist beim Einkauf von Lebensmitteln allerdings für viele Deutsche ein wichtiges Kriterium: Für 57 Prozent der für den Ernährungsreport 2018 befragten Verbraucher spielt er eine entscheidende Rolle bei der Kaufentscheidung. Dazu passt die Tatsache, dass die Deutschen im Laufe der Jahre einen immer kleineren Anteil ihres Einkommens in Nahrungsmittel investieren.

Vor 100 Jahren wurde noch über die Hälfte des Haushaltseinkommens für Lebensmittel ausgegeben – beziehungsweise musste damals so viel ausgegeben werden. Heute sind die Ausgaben deutlich geringer – und das für deutlich mehr Auswahl.

Mit rund 340 Euro investieren die Deutschen nur rund 14 Prozent ihres Budgets in Nahrungsmittel – obwohl diese zuletzt deutlich teurer geworden sind und die Inflation angetrieben haben. Diese Entwicklung bestätigt sich auch im internationalen Vergleich: Je höher das Bruttoinlandsprodukt beziehungsweise die monatlichen Einnahmen, desto geringer sind die Ausgaben für Nahrungsmittel.

Ab in die Tonne: Lebensmittelverschwendung

Was die Wertschätzung von Lebensmitteln betrifft, nimmt Deutschland leider alles andere als eine Vorreiterrolle ein: Jedes Jahr werden deutschlandweit elf Millionen Tonnen noch genießbarer Lebensmittel als Abfall entsorgt – vermeidbarer Müll, viele Produkte dabei originalverpackt und ungenutzt. Insgesamt wandert etwa jedes achte Lebensmittel in den Müll. Der größte Anteil an Lebensmittelabfällen entsteht dabei in den Privathaushalten. Der Wert der vermeidbaren Lebensmittelabfälle wird pro Kopf auf jährlich 235 Euro geschätzt. Bei einem Vier-Personen-Haushalt summiert sich der Betrag im Schnitt pro Jahr so auf rund 940 Euro. Am häufigsten auf dem Müll landen Gemüse und Obst – sie machen 44 Prozent aller vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Privathaushalten aus.

Lebensmittelabfälle entstehen aus vielen Gründen: Vieles wird weggeworfen, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist oder in Kürze abläuft. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK 2017) werden bei 57,6 Prozent der Abfallmenge Haltbarkeitsprobleme als Hauptentsorgungsgrund angegeben. Ebenfalls problematisch: Großpackungen sind vermeintlich billiger – am Ende kaufen wir so aber viel mehr, als wir essen können. Auch die Lagerung von Lebensmitteln spielt eine wichtige Rolle, damit diese nicht so schnell verderben. Oder es wird zu viel gekocht und übrig gebliebene Reste werden nicht weiter verwertet, sondern landen im Müll.

Tipps, um Lebensmittelabfälle zu vermeiden, finden Interessierte in der Aufklärungskampagne „Zu gut für die Tonne“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Außerordentliche Kontrollen

Die ständige Verfügbarkeit frischer Lebensmittel, so legen es die Zahlen nahe, ist für die Verbraucher in Deutschland selbstverständlich geworden. Dass wir uns darüber keine Gedanken mehr machen müssen und gleichzeitig so gut und erschwinglich leben können, ist dabei auch ein Verdienst der modernen Landwirtschaft. Um die Angebotsvielfalt zu erhalten, ist Pflanzenschutz unverzichtbar. Sowohl im Bio- als auch im konventionellen Anbau müssen Pflanzen vor Schädlingen, Krankheiten und Unkräutern geschützt werden. Andernfalls kann es zu Ernteausfällen und infolgedessen zu deutlich leereren Supermarktregalen kommen.

Wenn in Lebensmitteln Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen werden, schlussfolgern daraus viele Verbraucher, es sei "Gift" im Essen – und das sei nicht nur ungesund, sondern illegal. Tatsächlich ist es so: Innerhalb sehr strikter Grenzen sind Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln zulässig, weil sie gesundheitlich vollkommen unbedenklich sind. In keinem anderen europäischen Staat werden Lebensmittel auf so viele Pflanzenschutzmittel untersucht wie in Deutschland. Mehr darüber, wie gut unsere Lebensmittel kontrolliert werden und wie sicher sie sind, steht in unserem Faktencheck „Pflanzenschutz – Mit Sicherheit geregelt“.


Aktuelles

Zu gut für die Tonne!

Viele Verbraucher kaufen zu viele Lebensmittel ein, lagern sie nicht richtig und verwerten Reste nicht weiter. Ergebnis: Pro Kopf und Jahr wandern umgerechnet 82 Kilogramm Lebensmittel unverzehrt in den Müll.

Statement

Es geht darum, dass Landwirte sachlich diskutieren wollen und die moderne Landwirtschaft, die im Übrigen dafür sorgt, dass genügend Nahrung mit bester Qualität zum günstigen Preis zur Verfügung steht, dem Verbraucher wieder etwas näher gebracht wird.

Holger Knauer