Landwirtschaft in Deutschland

SORGFALT, WISSEN, VERANTWORTUNG: ALLES ANDERE ALS EIN DURCHSCHNITTSBERUF

An wenige Berufsgruppen stellt die Gesellschaft so hohe Ansprüche wie an die der Landwirte: Etwa 620.000 Menschen in Deutschland stellen die Versorgung der Verbraucher mit Lebensmitteln sicher. Mit welchen Herausforderungen sie es dabei zu tun haben und wie die Verbraucher ihre Arbeit wahrnehmen – wichtige Zahlen, Daten und Fakten zur Landwirtschaft in Deutschland.

 

Über 80 Prozent der Fläche Deutschlands werden land- oder forstwirtschaftlich oder für die Fischerei genutzt. Etwa 620.000 Menschen sind in diesen Bereichen unmittelbar beschäftigt. Sie produzieren Nahrungs- und Futtermittel, Energieträger, Rohstoffe und viele andere Erzeugnisse.

Hartes Brot – der Arbeitsalltag eines Landwirts

Im Durchschnitt leistet jeder Beschäftigte in der Landwirtschaft 1.636 Arbeitsstunden im Jahr – und damit etwa 20 Prozent mehr als der durchschnittliche deutsche Erwerbstätige. Unter den selbstständigen Landwirten ist die Jahresarbeitsleistung mit 2.067 Stunden sogar noch signifikant höher (52 Prozent über dem Gesamtdurchschnitt). Und fast die Hälfte der Erwerbstätigen in der deutschen Landwirtschaft sind eigenständige Unternehmer.

Zahlreiche Innovationen und moderne Technologien haben es den Landwirten in den vergangenen Jahrzehnten ermöglicht, ihren Arbeitsalltag effizienter zu gestalten. Dennoch haben sie es in ihrer täglichen Arbeit mit Besonderheiten zu tun, die ganz besondere Sorgfalt, Wissen, Können und Verantwortungsbewusstsein erfordern – und nicht immer planbar sind. Bei der Nutztierhaltung kommt der sorgsame Umgang mit den Tieren hinzu. Die gesetzgeberischen Anforderungen an Landwirte steigen immer weiter – und damit der Zeitaufwand für Verwaltung, Dokumentation und Management. Zugleich sorgen verschiedene regulatorische Entscheidungen auf deutscher und europäischer Ebene für einen wachsenden Preisdruck.

Und nicht zuletzt erwartet die Gesellschaft in immer stärkerem Maße eine nachhaltige Landwirtschaft – und einzelne Interessengruppen gehen Landwirte mitunter hart an, wobei einseitige, zum Teil schlicht falsche Informationen öffentlich gestreut werden.

Immer weniger versorgen immer mehr

Landwirte gehen also keiner ganz durchschnittlichen Erwerbstätigkeit nach. Es spricht für ein hohes Berufsethos, dass sie dennoch für eine ausreichende Versorgung der Verbraucher mit hochwertigen und gesunden Lebensmitteln sorgen – in Deutschland aktuell auf etwa 275.000 Betrieben. Viele dieser Betriebe sind seit Generationen in Familienhand – mit dem eigenen Boden als Existenzgrundlage nachhaltig und schonend umzugehen, im Einklang mit der Natur zu wirtschaften und sich dem Wohl von Mensch und Tier verpflichtet zu fühlen, ist ein ureigenes Anliegen von Landwirten. Übrigens: Die Zahl der Menschen, die ein Landwirt mit seiner Arbeit ernährt, ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten stetig gestiegen - während es gleichzeitig insgesamt immer weniger Landwirte gibt. Für Hofbetriebe, die teils seit Jahrhunderten in Familienhand sind, wird es immer schwieriger, Nachfolger zu finden. Körperlich harte Arbeit, lange Tage und wenig Urlaub - diese Voraussetzungen machen den Job des Landwirts nicht unbedingt zum Traumberuf für junge Leute. Umso mehr Respekt gebührt denen, die ihn täglich ausüben.

Die Bundesbürger honorieren das: Der Landwirt genießt seit langem das größte Vertrauen unter allen produzierenden Berufen. Für fast jeden zweiten Bundesbürger zählt der Landwirtsberuf nach einer Emnid-Untersuchung zu denjenigen Berufen, die „auch in Zukunft für die Gesellschaft besonders wichtig“ sind. Rund 79 Prozent haben ein positives Bild von Bäuerinnen und Bauern. Deutlich geringer fällt hingegen die Zustimmung zur „modernen Landwirtschaft“ aus, die von 61 Prozent der Befragten positiv bewertet wird. Gleichzeitig haben viele Bundesbürger keine oder nur geringe Kenntnis über moderne Landwirtschaft in Deutschland – damit erweitert sich das ohnehin schon sehr umfassende Arbeitsspektrum der Landwirte um einen weiteren Bereich: Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation und Verbraucherinformation.

Leben in einer Kulturlandschaft

Etwa die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Wälder und Binnengewässer hinzugenommen, die in weitesten Teilen ebenfalls zu Zwecken der Forstwirtschaft und Fischerei genutzt werden, kommt Deutschland auf mehr als 80 Prozent kultivierte Fläche. So sind Landwirte nicht zuletzt auch Landschaftspfleger. Dabei nehmen sie lange nicht jeden Quadratmeter unter den Pflug oder lassen ihn beweiden.

Die Bundesbürger nehmen das sehr wohl wahr: Etwa 70 Prozent schätzen laut einer Umfrage von TNS Emnid ländliche Regionen für ihre hohe Lebensqualität. Und 85 Prozent der Deutschen attestieren dem ländlichen Raum Erholungs- und Freizeitwert.

Etwa 14 Prozent der deutschen Fläche entfallen übrigens auf Siedlungs- und Verkehrsflächen. Über 22.000 Hektar – oder 33.000 Fußballfelder – werden Jahr für Jahr neu für die Bebauung frei gegeben.

Detaillierte Information rund um die deutsche Landwirtschaft bietet der Deutsche Bauernverband (DBV) in seinem jährlichen Situationsbericht.

 


Aktuelles

Frag‘ doch mal den Landwirt!

Landwirte als Öffentlichkeitsarbeiter: Immer mehr Initiativen wollen den Verbrauchern ein realistisches Bild modernder Landwirtschaft vermitteln. Besonders aktiv: Die Initiative „Frag‘ doch mal den Landwirt“ , bei der Landwirte sehr lebendige Einblicke in ihren Arbeitsalltag geben. Inzwischen folgen der Initiative mehr als 30.000 Menschen auf Facebook und machen sich ihr eigenes Bild.

Statement

Nach 99,9% Ernteverlust im Schaufenster-Weinberg sind wir auch in diesem Jahr wieder bei der sinnvollen, öffentlichkeitswirksamen Aktion dabei!

Marco W. Becker, Dipl. Ing. Oenologie